Vieles von dem, was bisher gegen uns lief, drehten wir zum Start der Rückrunde und landeten am Samstag einen ganz wichtigen Befreiungsschlag: Bei den Stuttgarter Kickers feierten wir – ohne Chefrainer Daniyel Cimen – einen 1:0 (0:0)-Auswärtssieg.
Vorne einmal eiskalt, wie die Temperaturen auf der Waldau, und hinten das nötige Quäntchen Glück und einen bärenstarken Samuel Zapico im Tor, der sogar einen Elfmeter hielt: Das war das Rezept für den ersten Sieg von uns seit gut sieben Wochen. Tragischerweise musste Chefcoach Cimen den Erfolg von zuhause aus im Stream mit ansehen – er liegt mit einer starken Erkältung flach. Co-Trainer Marcel Niesner und Yasin Kocatepe hatten die Verantwortung, und waren überglücklich: „Es war ein extrem emotionales Spiel. Wir hatten schon viele davon, wo wir dann diesen dreckigen Sieg aber nicht einfahren konnten. Wir hätten das Spiel auch früher killen können, aber es war vielleicht auch wichtig, dass wir es heute genau so gewonnen haben, wie wir es gewonnen haben“, sagte Niesner.
In der ersten Hälfte war es bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt vergleichsweise ruhig im Eisschrank Waldau – die Torhüter konnten sich aber ab und an auszeichnen: Stuttgarts Leon Neaime parierte klasse gegen Moritz Dittmann (21.), wenig später hatten die Kickers die beste Chance durch Lukas Kiefer, der in Zapico seinen Meister fand (29.). Die weiteren Abschlüsse waren weniger gefährlich, das Gros spielte sich im Mittelfeld ab, wobei wir es den Stuttgartern schwer machten, nach vorne zu kommen. Nochmal hielt Zapico gegen Flamur Berisha (35.), viel mehr war in Hälfte eins nicht.
Während die Kickers-Fans, die zum letzten Heimspiel des Jahres 120 Jahre Waldau-Stadion feierten, zu Beginn der zweiten Hälfte einen kleinen Protest starteten und zunächst ruhig blieben, war auf dem Rasen mehr los: Eine Ecke flog den Gastgebern direkt mal um die Ohren: Wir konterten super, Korzuscheks Ball auf Pourié kam zwar nicht an, dafür aber auf Umwegen zu Moritz Dittmann, der das Tor des Tages erzielte (48.). Doch so richtig Sicherheit gab das uns nicht: Zapico musste die nächste Glanztat gegen Kiefer zeigen (55.), direkt in der anschließenden Szene war unser Schlussmann dann geschlagen und stattdessen klärte Habermehl per Kopf auf der Linie (56.). Es wurde ein Sturmlauf der Kickers, die dann die größte Chance vom Punkt bekamen: Einen Udogu-Abschluss bekam der grätschende Roko Ivankovic an die Hüfte und dann an den Arm, der oben war – hart, aber vertretbar. Doch Berisha, der zu seinem Geburtstag noch seinen 100. Regionalliga-Einsatz für Stuttgart feierte, konnte Zapico ebenso wenig überwinden, unser starker Rückhalt ahnte die Ecke (64.). „Danach hatten wir das Gefühl, dass Stuttgart machen konnte, was sie wollten – wir gewinnen das“ waren die Coaches draußen zuversichtlich, doch mussten trotzdem noch ordentlich bibbern.
Denn hintenraus vergab Joker Tobias Göbel dann zweimal die Entscheidung, einmal per Kopf und einmal freistehend nach Konter. Noch näher war Hans Sarpei dran, der am Pfosten scheiterte (74.), und auch Leon Pomnitz prüfte Neaime nochmal mit einem sehenswerten Volley. So blieb es auf Messers Schneide, wir klärten fast jeden Ball lang hinten raus, und die Bälle kamen immer wieder zurück. Doch niemand kam an diesem Tag an der Defensive um Samuel Zapico vorbei. „Die Stimmung ist natürlich sehr gut, sehr emotional. Die Jungs haben alles reingehauen und sich zwei freie Tage verdient“, sagte Niesner.
Stuttg. Kickers: Neaime; Petrovic, Danquah (89. Fundel), Faß (68. Braig), Zaiser (68. Schembri), Lockl, Udogu, Kiefer (78. Unsöld), Hencke, Borac, Berisha (78. Abdullahu).
SG Barockstadt: Zapico – Schmitt (56. Iljazi), Habermehl, Frey – Schmitt, Sarpei, Ivankovic, Hillmann – Pomnitz (89. Stadler) – Dittmann (90.+1 Köhler), Pourié (70. Göbel), Korzuschek (70. Siebert).
Schiedsrichter: Philipp Hofheinz (Niefern-Öschelbronn)
Tor: 0:1 Moritz Dittmann (48.)
Zuschauer: 3180
Verschossener Handelfmeter: Flamur Berisha (Stuttgart, 64.) – Zapico hält.